Tagebuch

 

Tagebucheintragung 19

PEKING, 18.11.2007 - 10.500 KILOMETER - DAS ZIEL IST ERREICHT

Gedankenversunken richtete ich meinen Blick nach unten und beobachtete die Kurbelumdrehungen, die ich bewirkte, sah das rotierende Kettenblatt und die wirbelnden Reifen unter mir. Wieviele Millionen solcher Bewegungen mochte ich auf dem 10.500 Kilometer langen Weg, der hinter mir lag wohl absolviert haben? Als ich meinen Blick langsam löste und aufsah konnte ich ihn auch schon vor mir sehen, den endlos erscheinenden Platz des Himmlischen Friedens (Tien'anmen Square) - DAS ZIEL meiner Reise.


Eine gigantisch weite Fläche tat sich vor mir auf. Es ist der symbolträchtige zentrale Platz Pekings, auf dem eine halbe Million Menschen Platz finden könnten - der größte Platz der Welt. Die unermessliche Größe spiegelte für mich die zurückgelegte Distanz der letzten Monate wieder. So viel hatte ich erlebt, so sehr hatte ich es genossen und so sehr hatte ich gelitten. Doch nun in diesen Minuten in denen sich die Kurbel meines Mountainbikes noch die letzten Male drehte, wurden all diese Tage langsam zu einer weiteren unvergesslichen Erinnerung. Schweigend und die Augenblickes des Thriumphes genießend rollten wir in Peking ein.


Ich kann es noch gar nicht richtig realisieren, doch ASIEN IST DURCHQUERT und ich konnte mein zweites transkontinentales Mountainbikerennen gewinnen.

Ich danke alle, die mir diese Reise ermöglicht haben, dich mich unterstützt haben und an mich geglaubt haben. Ich danke allen, die meine Tagebucheintragungen mitverfolgt haben - für euer Interesse. Ich danke allen, die mir durch nette E-Mails und Gedanken Kraft und Mut gesendet haben.


Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen mit euch!!!

Bis bald!

 

Zielankunft am Platz des Himmlischen Friedens in Peking

Zielankunft am Platz des Himmlischen Friedens in Peking

 

Tagebucheintragung 18


Anyang (China), 13.11.2007


Drei Tage von Xian in Richtung Westen begleiteten meine Eltern noch die Tour - Mama am Truck, während Papa mit mir durch die chinesichen Berge radelte.


Am ersten Tag erreichten wir Huaying am Fuße des Mount Hua, wo sich die bis jetzt imposanteste chinesische Tempelanlage ausbreitete. Der Tag danach schien dann die letzte schöne Fahrt dieser Tour geboten zu haben. Denn von da an ging es auf eine viel befahrene Straße.

Millionenstädte scheinen hier fast schon zusammenzuwachsen. Man erblickt ein Kohlekraftwerk nach dem anderen. Die Luftverschmutzung ist so schlimm, dass man kaum hundert Meter weit sehen kann. Die vom Smog verhüllte Umgebung lässt sich nur mehr erahnen. Ein Fahren ohne Schutzmaske mit Kohlepartikelfilter ist gar nicht mehr möglich. Es ist frustrierend. Gott sei Dank sind die letzten Etappen kaum noch länger als hundert Kilometer.


Vor zwei Tagen haben wir die 10.000 Kilometermarke uberquert. Noch funf Etappen trennen uns von Peking - nur noch funf Mal aufs Rad und wir sind am lange ersehnten und schwer erkämpften Ziel angekommen.

Auf dass noch alles gut gehen möge!

 

Mit Atemschutzmaske im luftverschmutzten China

Mit Atemschutzmaske im luftverschmutzten China

 

Tempelanlage am Fuße des Mount Hua

Tempelanlage am Fuße des Mount Hua

 

Nudelpause

Nudelpause

 

Fahrt von Xian in die Berge

Fahrt von Xian in die Berge

 

Tagebucheintragung 17


Xian (CHINA), 06.11.2007


Wir haben Xian erreicht und somit ein absolutes Highlight der Tour. Zum einen, da diese Stadt der ursprüngliche Ausgangspunkt der Seidenstrasse in China ist und es jede Menge spannende Sehenswürdigkeiten zu erkunden gibt. Und zum anderen - und das ist für mich mein ganz persönliches Highlight - weil meine Eltern hier auf mich warteten, um mich für einige Tage in China zu besuchen.


Doch alles der Reihe nach...


Die sechs Etappen von Lanzhou nach Xian führten durch eine bergige Landschaft. Immer wieder taten sich gigantische Canyons auf, in dessen Tiefe sich der gelbe Fluss seinen Weg bahnte. Plateauförmig angelegte Felder platzierten sich auf allen Erhebungen, was ein merkwürdiges, geometrisches Landschaftsbild ergab. Aus weiterer Entfernung sah es so aus, als könnte man auf diesen Stufen geradewegs in den Himmel hinauf spazieren.


Einige Pässe mit Schneefall stellten sich uns noch in den Weg. Die grösste Herausforderung bereiteten uns jedoch mehrere ein bis zwei Kilometer lange, unbeleuchtete (!) Tunnels, die es heil zu durchqueren galt.


In Xian angekommen, warteten meine Eltern auf mich. Die Wiedersehensfreude nach drei langen Monaten war sehr groß. Hier hatten wir zwei Tage Zeit, um so richtig in die Rolle eines Touristen zu schlüpfen. Der edle Glocken- und Trommelturm, die große Moschee,
die imposante Stadtmauer, die große Wildganspagode und natürlich die weltberühmte Terrakottaarmee ließen für zwei Tage den Touralltag vergessen.


Familie Simon sendet liebe Grüsse nach Österreich!

 

 

Bekanntschaft mit zwei jungen buddhistischen Mönchen

Bekanntschaft mit zwei jungen buddhistischen Mönchen

 

Trommelturm bei Nacht

Trommelturm bei Nacht

 

Freudiges Wiedersehen mit meinen Eltern in China

Freudiges Wiedersehen mit meinen Eltern in China

 

Passstrasse nach Xian -brrrr kalt

Passstraße nach Xian -brrrr kalt

 

Tagebucheintragung 16


Lanzhou (CHINA), 29.10.2007

In sieben Etappen legten wir den Weg von Dunhuang in die Sieben-Millionen-Stadt Lanzhou durch die südlichsten Ausläufe der Wüste Gobi zurück.

Doch die Gegend war hier schon um einiges wirtlicher und bewachsener. Man hatte uns mit unseren Rädern glatt vom Highway verwiesen - "Radfahren verboten" - und auf eine kleine Nebenstrasse verbannt, die uns wieder ein paar Extrakilometer bescherte. Doch es war eine schöne Fahrt. Nach all den Wochen in der Takla Makan Wüste hatte ich gar nicht bemerkt, dass inzwischen der Herbst übers Land gezogen war und alles in prächtige Farben tauchte - ein wahrer Genuss nach all den Wochen der Entwöhnung meiner Sinne durch ein immer gleichbleibende Einöde.

Zwischendurch hatten wir einen Ruhetag in Jiayuguan und besichtigten dort den Beginn der 6700 Meter langen Grosse Mauer, die sich dort wie ein unendlich langer Drachenkörper auf den Shanhaiguanpass schlängelt. In den nächsten Tagen radelte ich fasziniert an der Grossen Mauer entlang.

Sie ist wirklich imposant - das einzige von Menschenhand geschaffene Bauwerk, das man vom Mond aus mit blossem Auge erkennen kann.

Vor Lanzhou taten sich noch zwei gefinkelte Pässe zu 2.600 und 2.900 Meter Höhe auf. Am zweiten Pass hat es uns so richtig eingeschneit. Die kalten Nächste im Zelt haben mir eine höchst unangenehme Blasentzündung beschert.

Lanzhou ist nun die erste große - und ich meine wirklich große - chinesische Stadt, die wir erreichten. Dieser Platz ist enorm - eine Stadt, die irgendwo aus einer dichten Smogwolke auftaucht und kein Ende mehr zu nehmen scheint. Doch es ist eine sympathische Stadt, die sich entlang des gelben Flusses zwischen zwei Bergketten erstreckt.

Noch 1.800 Kilometer bis Peking!

 

Große Mauer in Jiayuguan

Große Mauer in Jiayuguan

 

Tagebucheintragung 15


Dunhuang (CHINA), 18.10.2007

Die Taklamakan-Wüste wurde nun endgültig zu meinem grössten Feind erklärt - einem Feind, der nun zwar endlich bezwungen ist, dem ich jedoch nie wieder in meinem Leben begegnen möchte, da er mir absolut alles abverlangte.


Die erste Schwierigkeit, die sich in den letzten sieben Tagen auf der Strecke zwischen Turfan und Dunhuang stellte, war die Tatsache, dass wenn man einmal auf der einen Seite in das unter dem Meeresspiegelniveau liegende Turfanbecken hineingefahren ist, man auf der anderen Seite auch wieder hinausfahren musste. Wir erklommen wieder die ozeangleiche Wüstenlandschaft, die auf einer Höhe zwischen 1200 und 1600 Metern über dem Meeresspiegel lag.


Kaum auf dieser Höhe angelangt, empfing uns wieder der Gegenwind. Doch er hatte seine Gestalt gewechselt. Von einer konstant wehenden, entgegenschlagenden Windwand, ging das Gebläse in böenartige, heftige Windstösse über. Auch die Kälte machte mir in der vergangenen Woche schwer zu schaffen und raubte mir viel Energie.


Endlich haben wir die in der Provinz Gansu liegende Stadt Dunhuang erreicht - das Tor des Westens, in eine bildschöne Dünenlandschaft gebettet. Der Höhepunkt des Ruhetages hier war die Besichtigung der Mogao Grotten - die weltweit als die grösste und am besten erhaltene buddhistische Schatzkammer.

Nun geht es weiter in die Ausläufe der Wüste Gobi.

Sandige Grüsse aus dem wilden Osten!

 

Mogao Grotten

Mogao Grotten

 

Sanddünenlandschaft um Dunhuang

Sanddünenlandschaft um Dunhuang

 

Wüstenlandschaft vor Schnee bezuckerten Bergen

Wüstenlandschaft vor Schnee bezuckerten Bergen

 

Sonnenuntergang in der Taklamakan-Wüste

Sonnenuntergang in der Taklamakan-Wüste

 

Tagebucheintragung 14

 

Turfan (China), 09.10.2007

Vom fünf Etappen zurückliegenden Kuqa aus, tat ich mich mit der Zweitplatzierten Südafrikanerin Estie zusammen, um gemeinsam dem Gegenwind den Kampf anzusagen. Auf den langen Geraden in der Wüste, war man alleine einfach verloren.
Am zweiten Tag erreichten wir Korla - eine sogenannte "Boomtown". Es ist eine hochmoderne Wüstenoasenstadt, die aus Öl-Geld mit all ihrem Luxus an diesem unpassenden Ort erschaffen wurde. Henry spendierte und dort eine Nacht in einem vier Sterne Hotel - welch ein Genuss!


Zwischen Korla und Turfan bewegten wir uns auf einer kleinen Nebenstraße - endlich weg vom Highway - die durch unasphaltierte Teilstücke und das Durchfahren kleiner Dörfer etwas Abwechslung bot.


Einen Tag bevor wir Turfan erreichten, hatte ich einen Zusammenstoss mit einem kleinen Traktor, der Holzblöcke geladen hatte, die weit nach hinten hinausragten. Ohne den Blinker zu setzen, bog er nach rechts ab und ich fuhr genau in ihn hinein. Die Prellung meines Handrückens, Unterarms und Rippen waren die Folge (halb so wild!). Auf der letzten Etappe nach Turfan ging es glücklicher Weise viel bergab, da die Stadt etwa 150 Meter und dem Meeresspiegel liegt und der zweittiefste Punkt der Erde ist.
Ich geniesse den Ruhetag im vielbelebten Turan und versuche mich von meinem kleinen Unfall zu erholen. Der Basar ist auf Grund einer gestrigen Schiesserei geschlossen.


Und noch eine andere wilde Geschichte: Als ich an einem der zurückliegenden Dörfer Fotos machte, sahen mich Polizisten und wurden sehr wütend. Sie zwangen mich, alle Bilder zu löschen. Ich fragte später unseren lokalen Guide nach dem Grund. Die Antwort: Wir befinden uns im Nuklearwaffentestareal!

Liebe Grüsse aus dem immer verrückter werdenden China!

 

 

Mondlandschaft 100 KM vor Turfan

Mondlandschaft 100 KM vor Turfan

 

Tagebucheintragung 13

 

Kuqa (China), 03.10.2007

Was für eine Verwirrung all meiner Sinne! Unter tiefwinterlichen Bedingungen hatten wir China erreicht. Und nun sind wir wieder zurück in einer Wüstenlandschaft. Wo zuerst schneebedeckte Berge waren und eisigen Temperaturen das Leben erschwerten, da sind nun wieder karge, öde Wüstenlandschaften und Straßen, die in ihrer Einförmigkeit kein Ende nehmen wollen.


In fünf Tagen legten wir den gut siebenhundert Kilometer langen Weg von Kashgar nach Kuqa quer durch die Taklamakan–Wüste zurück. Es war keine schöne Fahrt – eine langweilige Straße, nichts zu sehen und viel LKW–Verkehr.


Zur Erschwernis der mentalen Bewältigung der langen, gleichförmigen Tage, waren an der Seite der Straße Kilometermarkierungen, und sogar Hundertmetermarken, angebracht. Demonstrativ versuchte ich, sie zu ignorieren.


Die Navigation in China ist schwierig. Die Menschen sprechen kein Englisch, sind aber sehr freundlich und hilfsbereit. Die Straßenbeschilderungen sind mit chinesischen Schriftzeichen beschriftet. Also sitze ich jeden Morgen, bevor ich das Camp verlasse, vor einer großen weißen Tafel und zeichne die chinesischen Zeichen für die Namen der Ortschaften, die wir ansteuern, auf ein Stück Papier ab, die unsere lokalen Guides für uns niederschreiben. Wenn ich eine Kreuzung erreiche, vergleiche ich dann mein wenig Sinn machendes Gekritzel mit den Schildern und so habe ich meinen Weg nach Kuqa gefunden.

China ist ein seltsames aber aufregendes Land. Die Menschen am Land sind arm und leben in einfachen Behausungen. Die Randbezirke der größeren Städte sind heruntergekommen und man kann sich kaum vorstellen, dass man etwas stadtähnliches erreicht. Aber dann kommt man ins Zentrum und findet unzählige Geschäfte und Restaurants, die durchaus einen westlichen Status haben.

Was ich an China bis jetzt am meisten liebe ist das ESSEN – exotisch und köstlich!

Bitte um ein paar Motivations- und Energieschübe von zu Hause!

 

In dieser Küche wurde unser Essen zubereitet... aber es war gut!

In dieser Küche wurde unser Essen zubereitet... aber es war gut!

 

Chinesische Straßenbeschilderung

Chinesische Straßenbeschilderung

 

Vielleicht ist dieses Rad schneller als meines...

Vielleicht ist dieses Rad schneller als meines...

 

Tagebucheintragung 12

 

Kashgar (China), 27.09.2007

Bin ich noch auf unserem Planeten Erde?

Die Grenzüberquerung von Kirgistan nach China erwies sich als schwieriges Unterfangen. Vier Check Points mussten passiert werden – aufgeteilt auf siebzig Kilometer Niemandsland. Doch… wir sind in China – dem letzten, aber mit Abstand längsten Land dieser Tour.

Vor einigen Tagen fühlte ich mich noch fast wie zu Hause in den österreichischen Alpen. Doch mit der Einreise nach China landete ich in einer völlig anderen Welt.
Wo uns vor ein paar Tage noch Kirgisen auf ihren stolzen Pferden begegneten, kreuzen heute Chinesen auf ihren zweihöckrigen Kamelen unseren Weg.

Alles erscheint mir hier fremd: die Landschaft mit nichts zu vergleichen, was ich bisher in meinem Leben gesehen hatte; die Dörfer, die Menschen, die Sprache, die Schriftzeichen,…

In zwei Tagesetappen ging es über drei weitere Pässe – aber nur 2.800 Meter hoch – nach Kashgar. Die Fahrt war schön – zerklüftete Berglandschaften und grüne Hochtäler. Je näher wir Kashgar kamen, umso mehr verloren wir an Höhe und es wurde endlich wärmer.

Nun haben wir die Stadt erreicht und somit die erste Hälfte der Seidenstraße geschafft – was allerdings auch bedeutet, dass es noch einmal so lange ist! Aber ich habe einen langen Atem und bin gespannt was dieses Land zu bieten hat

Kashgar liegt am Fuße des Pamirgebirges in der autonomen Provinz Xinjang und ist die westlichste Stadt Chinas. Gestern hab es eine große HALFWAY – PARTY bei der ausgiebig die überstanden Strapazen der ersten Tourhälfte gefeiert wurden.

Ni Hao aus China!


Fahrt durch die chinesischen Berge

Fahrt durch die chinesischen Berge

 

Zweihöckriges Kamel vor der traumhaften Kulisse chinesischer Berge

Zweihöckriges Kamel vor der traumhaften Kulisse chinesischer Berge

 

Welcome to China

Welcome to China

 

Tagebucheintragung 11

 

Irkestan (Kirgistan), 24.09.2007

Vor vier Tagen ging es von Osch aus in die Berge – so richtig in die hohen Berge! Ich finde keine Worte, die die Schönheit der kirgisischen Tien Shan Berge würdig beschreiben könnten. Am Horizont tauchten die ersten Erhebungen aus dem Dunst der Morgensonne auf. Wie aus dem Nebel ragten die Berge empor. Zuerst nur eine diffuse Linie, schienen sie erst zur Materie zu werden, indem ich ihnen näher kam. Der Asphalt wich bald einer holprigen Schotterstraße.


Am ersten Tag kletterten wir auf 2.300 Meter über dem Meeresspiegel. Die zweite Bergetappe führte uns über den 3.600 Meter hohen Taldyk Pass.


Der 22.09. war für mich in diesem Jahr der Tag des ersten Schneefalls. Wir übernachteten in Jurtezelten – den Unterkünften des kirgisischen Nomadenvolkes – während draußen ein Schneesturm wütete.


Die darauf folgende Etappe war ein großer Härtetest. Wir waren bei minus zehn Grad Celsius im hochalpinen Gelände unterwegs. Das Wasser in meinen Trinkflaschen war binnen Minuten gefroren, so auch die Bremsflüssigkeit meiner Scheibenbremse und meine Schaltzüge. Die Höhe erschwerte das Atmen und alles schien mit halber Geschwindigkeit und doppelten Energieaufwand abzulaufen. Ich kam mir vor, wie auf einer Everestexpedition am Bike. Um mich herum erhoben sich die mächtigen Gipfel schneebedeckter Berge und präsentierten sich eitel als würden sie in einem Schönheitswettbewerb duellieren.


Die Nächte im Zelt waren bitterkalt. Die Kälte besetzte meinen Körper und ließ ihn nicht mehr los. Diese Tage waren die extremsten, die ich jemals erlebt hatte.
Heute überqueren wir die Grenze zu China.


Ich sehne mich nach Wärme!

 

Tourleaders

Tourleaders

 

Passstrasse auf den Taldyk Pass

Passstrasse auf den Taldyk Pass

 

Nacht im Jurtezelt

Nacht im Jurtezelt

 

Atemberaubende Schönheit

Atemberaubende Schönheit

 

Tagebucheintragung 10

 

Osch (Kirgistan), 20.09.2007

In fünf Etappen ging es von Samarkand nach Osch. Das besondere an diesen Etappen war, dass wir an den letzten drei Tagen in drei verschiedenen Ländern gefahren sind – ein wahrer Grenzüberquerungsetappenmarathon.

Am 17.09. reisten wir in Tajikistan ein, um am nächsten Tag schon wieder die Grenze zur zweiten Einreise in Usbekistan zu überqueren. Gestern erreichten wir Kirgistan. Es waren anstrengende Tage, da die Etappen sehr lang waren - vor allem dehnten sich die Wartezeiten an den Grenzübergängen ins Endlose. Aber wir haben es geschafft und sind nun in Land Nummer sieben. Nur noch einmal müssen wir einen Behördenmarathon durchlaufen, wenn wir in wenigen Tagen in China einreisen werden.

Die letzte Woche war vor allem landschaftlich sehr schön. Die trockene Wüstengegend wurde immer fruchtbarer und ein erfrischendes Grün bot dem Auge Abwechslung. In der Ferne tauchten immer wieder kahle Bergketten auf – die ersten Vorboten auf die Pässe, die nach dem Ruhetag in Osch auf uns warten.

Langsam bemerke ich auch, dass wir dem Wechsel der Jahreszeiten entgegenfahren. Täglich werden die Temperaturen erträglicher. Ich spreche allerdings nicht von einem erlösenden Temperatursturz. Anstatt unmenschlich heiß, ist es jetzt einfach nur heiß, 35-38 Grad Celsius.


China – here we come!

 


Wenn ich einmal groß bin, werd' ich Radprofi

Wenn ich einmal groß bin, werd' ich Radprofi

 

Usbekische Zwillinge

Usbekische Zwillinge

 

tajikistan

Tajikistan

 

Tagebucheintragung 9

 

Samarkand (Usbekistan), 14.09.2007

 

„Schlösser und Moscheen,

Zauberer und Feen,

Herz in Lieb’ entbrannt,

Traumland Samarkand.“

Juldasch Parda


Auf dem zweispurigen „Highway“ zwischen Bukhara und Samarkand bewegte sich alles, was entweder Räder oder Beine hatte: stinkende Trucks, klapprige Vans, gebrechliche Autos, Usbeken auf klapprigen Waffenrädern, die sich so manches Match am Rad mit uns nicht entgehen ließen, Eselskarren mit jeder erdenklichen Art von Ladung, Hirten, die Kühe und Schafe vor sich hertrieben, Fußgänger und Hunde.
Die Fahrt nach Samarkand wurde zu einem wahren Spektakel. Das wilde Treiben auf der Straße bot den Sinnen viel Abwechslung und ließ die Tage kürzer erscheinen.

Endlich konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass Samarkand eine der schönsten Städte ganz Zentralasiens ist. Die alte Stadt liegt am Fluss Serafschan. Schwer verdiente zwei Ruhetage lang konnte ich die Stadt erobern und den Hauch vergangenen Zeiten fühlen. Die von schlanken Minaretten gesäumten Plätze, die in der Sonne blitzenden Kuppeln der Moscheen, die prächtigen Fassaden der Paläste, das Mausoleum,… faszinierten mich so sehr, dass ich für ewig im Banne Samarkands Zauber bleiben werde.


Doch nicht nur die orientalische Architektur machte das Flair dieser besonderen Stadt aus. Auch die orientalischen Basare faszinierten mich mit ihrer Exotik, Warenfülle und Farbenpracht. Als ich durch die reich befüllten Stände schlenderte, fühlte ich den unlösbaren Zusammenhang der Zeiten. Bilder längst vergangener Tage spielten sich vor meinen Augen ab. Handel wurde mit jeder erdenklichen Art von Ware betrieben. Samarkand bleibt ein unvergessliches Erlebnis.

Liebe Grüße aus der Vergangenheit in die Gegenwart!

 

Mausoleum Gur Emir

Mausoleum Gur Emir

 

Handel am Bazar

Handel am Bazar

 

Registion Square

Registion Square

 

Tagebucheintragung 8

 

Bukhara (Usbekistan), 10.09.2007

 

Neuentwickelte Formel zum Training der mentalen Härte und des Durchhaltevermögens: Man nehme eine Straße, die unter dem Vorderrad beginnt und sich in einer geraden Linie bis zum Horizont erstreckt. Die Straßenverhältnisse seien miserabel: holprig und mit Schlaglöchern übersät. Die Landschaft darf keine Abwechslung bieten.

Dazu schaltet man einen starken Gegenwind ein, der einem das Gefühl gibt, sich kaum vorwärts zu bewegen. Zusätzlich dreht man den Temperaturregler nach oben. Kleinigkeiten wie lauwarmes Clorwasser und Sand in jeder Körperpore sind kaum noch erwähnenswert.

Nun kann man sich aufs Rad schwingen und unter diesen Bedingungen zirka 130 Kilometer geradeaus fahren.


Diese spezielle, mentale Trainingsform habe ich am Weg von Mary nach Bukhara getestet. Aber ehrlich gesagt, haben mich diese Tage nicht stärker gemacht, sondern ziemlich ausgelaugt.


Gestern haben wir die Grenze zu Usbekistan überquert - ein schwieriges, ungeschmeidiges und langwieriges Unterfangen. Nun sind wir in Bukhara. Erste touristische Bewegungen regen sich. Ich habe mich in dieses kleine Städchen verliebt.

Zwischenbilanz:
Land Nummer: 5
Gesamtkilometerstand: 4000
Anzahl absolvierter Etappen: 29

 

Turkmenistan istdurchquert

Turkmenistan ist durchquert!

 

Tagebucheintragung 7

 

Mary (Turkmenistan), 06.09.2007

 

Weitere vier Tage in der sengenden Hitze sind überstanden. Langsam gewöhnt sich der Körper an die Temperaturen, oder zumindest kommt er besser damit zu recht. Mehr und mehr genieße ich das Fahren hier. Gott sei Dank kam Rückenwind auf um etwas vorwärts zu kommen.


In zwei Tagen werden wir schon die Grenze zu Usbekistan erreichen.

Liebe Grüße in die kühlere Heimat!

 

Sooo heiß...

Sooo heiß...

 

Desert Ride

Desert Ride

 

Tagebucheintragung 6

Aschchabat (Turkmenistan), 02.09.2007

Die Überfahrt nach Turkmenistan verlief genau nach Plan. Nur die Einreise dauerte etwas länger als erwartet. Die Überquerung des Kaspischen Meeres dauerte vierzehn Stunden, die Einreise ins nächste Land benötigte weiter neun Stunden.
Kaum hatte ich einen Fuß von der Fähre gesetzt, bemerkte ich sofort, dass ich wieder in einem ganz anderen Land angekommen war. Den Menschen sah man hier ihre asiatische Abstammung an.

 

 

Am 29.08. starteten wir von Turkmanbasy aus in die turkmenische Wüste. Fünf Tage lang bewegten wir uns in einem Raum ozeangleicher Wüste, um den vom Wüstensand verwehten Spuren der Seidenstraße zu folgen.
Eine mehr oder weniger asphaltierte Straße führte uns durch die karge Wüstenlandschaft. An vielen Stellen war sie von Sand verweht.


Es war keine einfache Fahrt. Das größte Problem war… (nein diesmal nicht die Hunde!) – DIE HITZE! Achtstundentage spulte ich bei 45-50 Grad Celsius ab. Es waren unmenschliche Bedingungen. Vor allem gab es keine Möglichkeit, mal schnell in den Schatten zu flüchten. War man erst einmal da draußen, so musste man sein Ding behaglich durchziehen.


Selten kam ein Ort, in dem man rettende, erfrischende Getränke fand. Aber Einheimische versorgten uns fürsorglich mit Kamelmilch. Die Kamele grasen hier wie bei uns die Kühe das dürre Gras des kaum fruchtbaren Wüstenbodens ab. Immer wieder trampeln hier ganze Horden auf schmalen Wüstenpfaden entlang.


War die Etappe erstmal gut absolviert, kam die zweite Herausforderung des Tages: Wie überlebe ich den Nachmittag im Wüstencamp, ohne einen Hitzeschlag zu bekommen? Von den Trucks aus wurde eine etwa dreißig Quadratmeter große Plane gespannt, unter der vierzig Leute um etwas Schatten rauften, während wir nur warmes, chloriertes Wasser zu trinken hatten.


Aschchabat liegt auf einem schmalen Streifen fruchtbaren Bodens zwischen der Karakum-Wüste und dem Kopet-Dagh-Gebirge. Ich bin froh, heil in dieser interessanten, sehenswerten Stadt, die mystisch aus dem Wüstenboden gewachsen zu sein scheint, angekommen zu sein. Diesen Ruhetag konnte ich kaum noch erwarten.


Sunshine & Tailwinds aus Turkmenistan!

 

Erster Sonnenaufgang in Turkmenistan

 Erster Sonnenaufgang in Turkmenistan

 

Laaand in Sicht!

Laaand iiiin Siiiiicht!

 

Überfahrt über das Kaspische Meer

Überfahrt über das Kaspische Meer

 

Tagebucheintragung 5

Baku (Azerbaijan), 26.08.2007

Der Gesamtkilometerstand auf meinem Tachometer zeigt bereits 2.600 Kilometer an. In 19 Etappen erklommen wir bis jetzt insgesamt 25.800 Höhenmeter. Das dritte Land ist bereits durchquert.


Auch die Einreise nach Azerbaijan verlief ohne weitere Schwierigkeit, wenn auch zeitintensiv. An der Grenze wurden wir freundlich von den Einheimischen empfangen. Um sieben uns morgens standen eine Musikkapelle, Tänzer und Redner bereit, die uns herzlich in ihrem Land willkommen hießen. Azerbaijan überraschte mich in jeder Hinsicht positiv. Die Etappen wurden endlich etwas einfacher. Die Straßen waren in gutem Zustand und es gab nicht zu viele Berge, die sich uns in den Weg stellten. Leider mussten wir uns mir schweren Regenfällen herumschlagen. Aber über diese Kleinigkeiten wird sich doch niemand beschweren…


Das nettes an den letzten Etappen war, dass wir durch dieses Land von zehn Nachwuchsfahrern zwischen 15 und 19 Jahren begleitet wurden. Es waren Schüler der Olympic Cycling School in Baku. Sie waren aufgeweckt und angriffslustig. Es machte Spaß mit ihnen Rennen zu fahren. Wir sprachen zwar nicht dieselbe Sprache, verstanden uns aber auf einer anderen Ebene. Wir alle üben einen Sport aus, den wir lieben – den Radsport. Und das verband uns auf eine ganz besondere Art und Weise.


Das Hundeproblem ist noch immer nicht gelöst. Bei der Fahrt nach Baku gab es den ersten ernsthaften Zwischenfall. Unser Mechaniker Phillip wurde am Bike von einem Hund in die stramme Wade gebissen.


Morgen werden wir mit der Fähre das Kaspische Meer überqueren um übermorgen (soweit alles nach Plan verläuft) in Turkmenistan anzulegen.

Bis dahin alles Liebe!

 

Neue Sparringpartner aus Azerbaijan

Neue Sparringpartner aus Azerbaijan

 

Unwetter überraschen uns

Unwetter überraschen uns

 

Tagebucheintragung 4

Tbilisi (Georgien), am 20.08.2007

Man sollte vorsichtig sein mit seinen Wünschen, denn sie könnten tatsächlich in Erfüllung gehen! Ich denke es war die Kraft des kollektiven Gruppenwunsches nach Abkühlung, der uns einen Kälteeinbruch in den letzten Tagen bescherte.


Von Yusefeli brauchten wir noch 2 Tage bis zur Grenze zu Georgien – eigentlich eine sehr schöne Fahrt, wie mittlerweile schon gewohnt mit vielen langen Anstiegen. Auf über 2000 Höhenmeter konnte man fast meinen, man wäre in den Alpen unterwegs. Die Türkei verabschiedete sich schließlich mit einem 2600 Meter hohen Pass, an dessen Anstieg und Abfahrt uns Schneeregen und Hagel entgegenpeitschten.


Am 17.08. erreichten wir die Grenze. Die Einreise gestaltete sich fast zu einfach. Es gab keinerlei Probleme. Am nieder frequentierten Grenzübergang mussten wir alle zusammenwarten. Ich war schon früh da und in den nächsten drei Stunden passierten in etwa fünf Fahrzeuge ebenfall die Grenze. Das Überraschende daran war, dass eines davon ein Van des österreichischen Schiteams war. Wie klein ist die Welt? Ich lernte das Ehepaar Tarmann kennen. Frau Tarmann ist die Cousine von Stefan Eberharter. Sie waren einer Einladung georgischer Schibekanntschaften in dieses Land gefolgt. Es war schön, eigene Landsleute so weit weg von zu Hause zu treffen!


Verblüffender Weise änderte sich alles mit der Überquerung der Grenze: die Sprache, die Gesichter der Menschen, Straßen, Bauten, Fahrzeuge, die Landschaft und sogar die Zeitzone. Die ersten beiden Etappen in Georgien waren eine meiner schwierigsten sportlichen und mentalen Prüfungen. Es regnete und war eiskalt.
Wir waren auf Schotter- und Schlammpisten unterwegs, die die Bezeichnung Straße eigentlich gar nicht verdient hatten. Wir fuhren im niederen Kaukasus, was uns bald wieder auf über 2000 Höhenmeter brachte. Am ersten Tag ging ich gleich verloren. Ich nahm einen 20 Kilometer Umweg. Das Dumme daran ist nur, dass hier keiner Englisch spricht und die Ortsschilder georgische Schriftzeichen als Aufschrift habe. Aber irgendwie schafft man es immer ins Ziel.


Auch wenn ich glaubte, das Hundeproblem wäre schlimm in der Türkei gewesen, so war es nur einen Einschulung und ein kleiner Vorgeschmack auf dieses Land. Wir durchquerten auf unserer Route viele kleine Dörfer. Am Beginn des Dorfes kam der erste Hund, der durch sein Bellen alle anderen Hunde dieser Häuseransammlung zusammentrommelte. Es konnte passierten, dass am Ende des Dorfes um die zwanzig Köter meine drehenden Laufräder und Beine anbellten und anknurrten.


Fahrtechnisch wurde es sehr schwierig. Schotter, Geröll, Matsch, loser Untergrund, Schlaglöcher und wieder einmal viel Wind drückten die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 12-15 km/h, was mir erneut Acht- bis Neunstundentage bescherte.
Bei der zweiten Hälfte des letzten Fahrtages nach Tbilisi kam dann etwas Sonne heraus und präsentierte uns die tolle Landschaft. Ich kam mir so vor, als wäre ich nicht nur in ein anderes Land gereist, sondern auch noch in eine andere Zeit, die hier wie es schien wirklich stehen geblieben war. Es ist sonderbar, aber aufregend!
 
Die liebsten Grüße aus Georgien!

 

unsere_route_nach_tbilisi

Unsere Route nach Tbilisi.

 

willkommen_in_georgien

Willkommen im 2. Land! Die Welt ist ein Dorf, ich lernte Stefan Eberharters Cousine, Frau Tarmann, und ihren Ehemann an der Grenze zu Georgien kennen!

 

Schneeregen und Hagel auf der letzten Etappe in der Türkei.

Schneeregen und Hagel auf der letzten Etappe in der Türkei.

 

camp_auf_2000_meter_hoehe

Camp auf  2000 Meter Höhe.

 

Tagebucheintragung 3

Yusefeli (Türkei), am 15.08.2007

1. Tag: hart, 2. Tag: härter, 3. Tag: am härtesten, 4.Tag: völlig wahnsinnig –

so lautete die Beschreibung seitens der Tourorganisation, bevor wir in die 7.-10. Etappe dieser Tour aufbrachen.Diese Beschreibung sollte auf keinen Fall eine Untertreibung sein. Ich finde kaum Worte, die die vergangenen vier Etappen würdig veranschaulichen können.

 

Hier einige Stichworte: Höhenmeter um Höhenmeter, Passstrassen, schmelzender Teer auf dem die Reifen klebten, Offroad, Gegenwind, Temperaturen zwischen 45 und 50°C um die Mittagszeit, acht bis neun Stunden am Bike bei zügigem Tempo,…


Trotz allem hatte ich einen ziemlich guten Lauf in den letzten vier Tagen. Ich kam an jedem Tag als Erste ins Camp - es lief einfach. Man muss nur versuchen seinen Rhythmus zu finden und über Stunden in zügiger Bewegung zu bleiben. Man schafft es immer irgendwie den Tag herunterzuspulen.  Am nächsten Tag steht man dann auf und der Tachometer steht wieder auf Null und das ganze Spiel beginnt wieder von vorne. Das einzige, was man vom vergangenen Tag mitnimmt, ist jedes Mal etwas mehr Müdigkeit.

 

Doch es hat sich ausgezahlt. Wir verließen die viel befahrenen Straßen und bogen in etwas mehr entlegene Gegenden ab. Ein gigantisches Landschaftsbild, bestehend aus Hügeln, Gebirgszügen und Canyons trieb uns voran und waren die Belohnung unserer Anstrengung. Nur selten holperten gebrechliche Pickups oder Traktoren über die mit Schlaglöchern übersäten Schotterstrassen. Doch wenn einmal einer angeschossen kam, hieß es aufpassen, da die Wege nur Platz für ein Fahrzeug bieten.

 

Nun sind wir in Yusefeli, um uns einen Tag auszuruhen, bevor uns die nächste Etappe an die Grenze zu Georgien, dem zweiten Land der Tour führen wird.

 

Liebe Grüße nach Hause, aus einem Land, das den österreichischen Alpen große Konkurrenz macht!

 

 

10 Etappen sind geschafft

10 Etappen sind geschafft!

 

tückische, türkische Passstraßen

tückische, türkische Passstraßen

 

bergauf, bergauf, bergauf....

bergauf, bergauf, bergauf....

 

Die Berge rufen!

Die Berge rufen!

 

Tagebucheintragung 2

Amasya, am 10.08.2007

Wir haben unseren ersten Ruhetag wohl verdient erreicht. Die ersten sechs Renntage von Istanbul hier her, weckten den leisen Verdacht in mir, dass die Steigerung der Tour d'Afrique SEIDENSTRASSE heisst. Von gemütlichem Einradeln war nicht die geringste Spur zu erkennen. Vom ersten Tag an ging es gleich so richtig zur Sache.

Was ich zuvor nicht wusste war, dass die Türkei nicht nur hügelig, ja mehr noch ein bergiges Land ist. In der vergangenen Woche absolvierten wir täglich 130 - 140 Kilometer, verfeinert durch rund 1500 Höhenmeter und viel Gegenwind. Das Fahren war nicht immer ein Genuss, da wir am viel befahrenen Highway D100 unterwegs waren - ein lebensgefährdendes Unterfangen, wenn man nicht den ganzen Tag äusserst konzentriert war.

Ein weiteres Problem sind die wilden Hunde, mit denen ich mir so manch spannendes Gefecht liefern musste. Die ersten Tage in der türkischen Hitze, die vor allem um die Mittagszeit gegen das Unerträgliche strebt, haben den anderen Fahrern und mir schon einiges abverlangt. Jene Fahrer aus der 40 Biker starken Gruppe, die bis jetzt noch alle Etappen fertig fahren konnten, sind an zwei Händen abzuzählen.

Heute geniesse ich den ersten Ruhetag dieser Tour. In den nächsten Tagen folgen vier Schlüsseletappen in den Bergen auf entlegenen Strassen.

  
 

Erster Ruhetag in Amasya

Erster Ruhetag in Amasya

  

Bergige Türkei

Bergige Türkei

  

Moschee in Istanbul

Moschee in Istanbul

  

Start in Istanbul

Start in Istanbul, 10.000 km liegen vor uns...

  

 

Tagebucheintragung 1


Krumbach, am 01.08.2007


Meine Sachen sind gepackt. Mein Mountainbike ist gut verstaut. Mein Reisepass ist mit hoffentlich gültigen, teuer erkauften Visen abgestempelt. Mein Körper ist gegen alle gefährlichen Krankheiten geimpft. Mein Geist ist auf eine 10.000 Kilometer lange Strecke durch ganz Asien eingestellt. Meine Beine sind gut vorbereitet. Ich habe von meinen lieben Freunden und meiner Familie Abschied genommen. Alles ist bereit für die Abreise morgen früh.
Um 7:05 werde ich in einem Flugzeug den österreichischen Boden - meine geliebte Heimat - verlassen, um in ein fernes Land zu reisen. Von Istanbul aus werde ich versuchen, meinen 2. Kontinent mit dem Mountainbike zu durchqueren.

Ich bin überraschend entspannt, in Anbetracht dessen, was in den nächsten vier Monaten auf mich wartet – lange Tage am Bike und lange Nächte im Zelt, totale körperliche und geistige Verausgabung. Wie lange sich 10.000 Kilometer anspüren und welche Probleme sie mit sich bringen, habe ich bereits in Afrika erfahren. Doch genauso habe ich dort erlebt, wie toll eine solche Reise sein kann, welch spannendes Abenteuer auf einem wartet, wenn man einfach ins Ungewisse startet.

Und so blicke ich voller Zuversicht, Spannung und Vorfreude dem Abenteuer „Seidenstraße“ entgegen. Acht ferne Länder warten auf mich da draußen. Ich freue mich auf Lektionen, die mich diese Länder auch dieses Mal wieder lehren werden. Ich freue mich auf die Menschen dort, auf deren fremde Kulturen und auf alle die schönen, bizarren und einzigartigen Landschaften die ich auf dem Mountainbike durchqueren werde dürfen.

Hier verabschiede ich mich aus Österreich. Ich danke allen für die lieben Glückwünsche – ihr gebt mir Kraft!!! Ich werde euch vermissen.

Ich melde mich wieder von der Seidenstraße!