Vuelta Sudamericana
Tagebuch

 

TAGEBUCHEINTRAGUNG 21

Quito, am 06.12.2009

Wie alt ist man, wenn man beginnt zu träumen? Und was sind das für Träume? Träume, die man als Erwachsener einfach mit einer Handbewegung abtun würde, weil man seine Art zu denken verändert hat, weil man verlernt, zu träumen.
Ich glaube ich habe sie mir bewahrt, diese kindliche Fähigkeit zu träumen. Und heute ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen. Ich habe meinen dritten Kontinent auf meinem Mountainbike durchquert.

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Auf meinem ersten Mountainbike

Die letzten drei Tage vor der Ziellinie hatten es noch einmal so richtig in sich. Quito liegt in den Anden, in einem Kessel auf 2.800 Meter über dem Meeresspiegelniveau. Um in die Hauptstadt zu gelangen, musste wir im Rahmen unserer letzten Etappe am heutigen Tag noch einmal über einen 4.100 Meter hohen Pass klettern – ein würdiges Finale der Vuelta Südamericana.

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Am Gipfel des letzten Passes

Mit 12.000 Kilometern und 95.000 Höhenmetern in den Beinen sind wir schließlich über die Ziellinie in Ecuadors Hauptstadt gerollt. All die Strapazen der letzten Monate sind in nur einer Sekunde Geschichte geworden.
Ich habe es noch nicht so richtig realisiert, dass es geschafft ist. Es wird eine Weile dauern, mir dessen bewusst zu werden.

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Duncan und ich am Ziel

Es war eine großartige Tour! Ich möchte mich bei allen bedanken, die meine Tagebucheintragungen verfolgt haben, dafür dass ihr mit mir gereist seid!!! Ich freue mich auf eine Wiedersehen in der Heimat.

Gracias por su visita!!!






TAGEBUCHEINTRAGUNG 20

Puyo, am 03.12.2009

In den letzten fünf Tagen sind wir zum größten Teil ‚offroad’ durch den ecuadorianischen Regenwald gefahren. Diese Erfahrung liegt für mich fern ab jeglichen Erlebens früherer Reisen. Der Dschungel hat mich gefangen genommen, mich fasziniert, mich berührt. Dieser gigantische Wald ist in der Großartigkeit all seiner Teile von nichts zu übertreffen.
Die Landschaft enthält die brillantesten Färbungen, und jede Form und Schattierung übertrifft an Pracht - so vollkommen - alles, was ein Europäer jemals in seinem heimischen Erdteil gesehen hat. Meine Fahrten waren begleitet von einem ständigen Staunen. Es war mehr als würde ich den wundervollsten meiner Träume träumen!

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Dschungelride

Unzählige Arten von Tieren geben dem Dschungel seine Stimme, der eine einzigartige Melodie summt - ein Orchester, das in all seiner Dramatik stimmungsvoll erklingt.
Es war wie die Fahrt durch einen offenen Zoo. Schmetterlingsschwärme in den fröhlichst schillernden Farben umringten mich. Affen turnten in den Bäumen. Riesige Greifvögel kreisten über mir, dort wo der dichte Wald den Blick gegen den Himmel freigab.

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Wildlife

Auf der vierten Etappen der vergangenen Sektion ereignete sich allerdings ein Zwischenfall, der meine Begeisterung etwas drückte. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich hier darüber schreiben soll. Aber dies ist eine Abbildung meiner Erlebnisse und dazu gehören nicht nur schöne Sonnenaufgänge und fesselnde Landschaftsbilder.
Die folgende Schilderung basiert nicht auf Fakten!!! Sie ist eine Wiedergabe aus von hier gesammelten Informationen von den Einheimischen!

Wir befanden uns auf der Etappe zwischen zwei größeren Dörfern im Regenwald – Limon und Macas – die etwa 110 Kilometer voneinander entfernt liegen und durch eine schmale unasphaltierte Straße miteinander verbunden sind. Als wir an diesem Tag bei Halbzeit der Etappe beim Lunchstopp (bei jeder Etappe gibt es auf halber Strecke eine Labestation) eintrafen, erwarteten uns dort Einheimische, die ihre Gewehre auf uns richteten.
Randy, unser Tourleader, der an jenem Tag Lunch für uns bereitstellte, wies uns an, unsere Flaschen aufzufüllen, etwas zu essen zu nehmen und dann so rasch die möglich weiter zu fahren, ohne anderswo zu stoppen.
Die Geschichte, die dahinter steht: Zwischen Limon und Macas sind in den letzten Monaten mehrere Menschen verschwunden – Einheimische, die tief im Dschungel leben. Man fand ihre kopflosen Leichen. Angeblich war ein Italiener (Gringo wie wir!!!) dahinter. Er bezahlte Ecuadorianer, um zu morden. Er selbst betrieb dann Handel mit den Köpfen, die nach Europa verkauft wurden. Dieser Italiener wurde ebenfalls ermordet, von den Familien der Opfer (so etwas wie Polizei scheint hier in solchen Fällen nicht involviert zu sein).
Die Einheimischen hatten nun Angst vor uns Gringos, deshalb richteten sie ihre Waffen gegen uns, deshalb verschwanden sie in ihren Häusern, wenn sie uns kommen sahen, deshalb erwiderte kaum jemand meinen Gruß in dieser Gegend. Es war weniger Angst, die sich in mir regte, als mehr Wut darüber, als „böse“, als Feind gesehen zu werden.
Die Geschichte machte für mich zu diesem Zeitpunkt nicht viel Sinn.

Zwei Tage später jedoch landeten wir in der Nähe von Puyo in einem Park im Dschungel, wo wir für den Ruhetag campierten. Gestern Abend haben wir an einem Ritual der Einheimischen teilgenommen – das Trinken von ‚Ayusa’ (einem reinigenden, stärkenden Tee, zubereitet aus den Blättern eines speziellen, etwa fünf Meter hohen Busches) begleitet von Tanz und Gesang um ein Lagerfeuer. Einer der Ecuadorianer erzählte uns die Geschichte seiner Vorfahren: In dieser Gegend gab es sieben Stämme, die einander feindlich gegenüberstanden und sich bekämpften. Wenn jemand einen Feind im Kampfe töten konnte, so schnitt er ihm den Kopf ab. Diese Köpfe wurden dann als Symbol des Triumphes vor ihren Häuser platziert.
Heute scheinen makabere Sammler viel Geld zu bezahlen, um auch so einen Kopf (der speziell behandelt und geschrumpft wird) zu besitzen – Menschen aus Europa!!! Und hier beginnt die ganze Geschichte Sinn zu machen – es geht um Geld und Besitz von „extravaganten“ Sammlerstücken.

Diese düstere Geschichte erschüttert mich tief, doch sie drückt die Aussicht auf die letzten Tage nicht. Von Puyo aus werden wir noch einmal zu klettern beginnen. Es geht noch einmal auf über 4.000 Meter. Die Anden lassen sich von hier aus wieder bereits wieder sehen. Sie sind ganz nah und lachen uns entgegen. Wir sind hier außerdem von aktiven Vulkanen umgeben, die ihren Dampf in den Himmel spuckten.
Ich freue mich auf die letzten drei Etappen!!!

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Vulkan Sangay







TAGEBUCHEINTRAGUNG 19

Loja, am 27.11.2009
ZIELGERADE - NUR NOCH 800 KILOMETER


Endlich haben wir die Atacamawüste hinter uns gelassen. Mit unserer Einreise nach Ecuador änderte sich auch das Landschaftsbild – es wurde fruchtbarer und grüner.
Mit dem neuen und letzten Land der Vuelta Sudamericana starteten wir in unsere VIERTE Andenüberquerung. Alleine in den letzten beiden Tagen haben wir über 5.000 Höhenmeter absolviert. Das Schwierige an dieser letzten Überquerung ist dieses Mal nicht die Kälte, sondern die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit.
Unsere Tage beginnen um 5 Uhr 30. Um 6 Uhr, wenn alles langsam erwacht, sitzen wir schon am Bike, genießen die angenehmen Temperaturen zwischen 15 und 20°C. In den dichten Dunst des Morgens gehüllt, klettern wir die ersten Anstiege hoch, bevor das Thermometer es uns gleich tut und ebenfalls zu klettern beginnt. Mittags hat es dann über 40°C.

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Ecuadorianische Anden

Die Umgebung ist überwältigend. Der Dschungel nimmt an Dichte zu. Das Geräusch der Insekten ist so laut, dass es meine surrenden Reifen mit Leichtigkeit übertönt und doch scheint in der Abgeschiedenheit des Waldes ein allgemeines Stillschweigen zu herrschen.
Unzählige Tiere teilen mit uns die Straße. Zuerst die „gewöhnlichen“: Hunde, Schafe, Ziegen, Esel, Schweine, Hühner. Und dann jene, die etwas mehr Gewöhnung benötigen...

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Hilfe! Riesenspinne!

Wenn wir die mächtige Gebirgskette in den kommenden Tagen erneut bezwungen haben, werden wir mitten im Amazonasbecken landen, um uns schließlich Quito von Osten her zu nähern.








TAGEBUCHEINTRAGUNG 18

Chiclayo, am 20.11.2009
NUR NOCH 14 ETAPPEN!


Nachdem uns die Anden ausgespuckt hatten, wurden wir direkt zurück in den Norden der Atacama Wüste geworfen. Von Nazca aus standen Sanddünen und Palma Spalier für uns am Weg zum pazifischen Ozean. Entlang der stark befahrenen Panamericana bewegten wir uns Richtung Lima. Den Norden der peruanischen Pazifikküste finde ich nicht sehr attraktiv. Die Landschaft ist eintönig und frustrierend. Immer wieder erheben sich kleine, uncharmante Städte aus dem staubigen Wüstenboden. Auch die peruanische Hauptstadt Lima hat mich nicht sonderlich beeindruckt. Sie ist schmutzig, laut und chaotisch.
Doch nach Lima wurde es wieder besser. Von Lima aus radelten wir weiter der Küste entlang Richtung Norden. Gut hundert Kilometer außerhalb der Stadt erreichten wir das Lachay National Reserve – eine grüne Oase inmitten der Wüste von unerwarteter Schönheit.
Der fünf Hektar große Nationalpark liegt auf etwa 300 bis 500 Meter über dem Meeresspiegel und wird durch den Wasserdunst des Ozeans genährt. Es ist unwirklich mitten in der Wüste plötzlich auf einen kleinen Dschungel zu stoßen – auf jeden Fall aber erfrischend.  

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Lachay National Reserve

Wir drehten wieder von der Pazifikküste ab, um durch einen gigantischen Canyon zu fahren, der sich zwischen der Cordillera Negra und der Cordillera Blanca schlängelt.
Die Cordillera Blanca ist eine 180 Kilometer lange Bergkette mit über 50 Gipfel, die über 5.700 Meter hoch sind. Die weißen Gletscher geben der Bergkette ihren Namen. Leider konnte wir keinen einzigen der Gipfel sehen, da sie sich in dichten Wolken versteckt hielten und uns keinen Blick gewähren wollten.

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Rio Santa

Eine Offroadpiste wurde in die Felswände geschlagen, auf die sich kaum ein Fahrzeug wagte.
Unser Begleitfahrzeug Berni hatte eine schwierige Herausforderung zu bestehen. Einmal blieb der gelbe Truck in einem Tunnel stecken. Alfonso – unserem Fahrer – blieb nichts anderes übrig, als Berni mit Gewalt durch den Tunnel „zu stopfen“. Teile des Daches mussten daran glauben... Weiters bremsten ihn drei platte Reifen.
 
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Schwierige Straßenverhältnisse

Doch wir Radfahrer hatten unseren Spaß. Es waren weitere unvergessliche Tage am Mountainbike. Der Canyon war genauso spektakulär, die der Rio Santa, der sich kraftvoll durch ihn schlängelt. Die unzähligen Tunnel waren aufgrund der Dunkelheit auch für uns eine große Herausforderung. Blind tasteten wir uns durch sie hindurch, um uns danach wieder auf die Bikes zu schwingen, um unseren holprigen Weg fortzusetzen.

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Spektakuläre Fahrt

In wenigen Tagen werden wir Peru verlassen um in Ecuador einzureisen. Nur noch 14 Etappen trennen uns von hier aus vom unserem Ziel. Quito ist zum Greifen nahe...

 






   

TAGEBUCHEINTRAGUNG 17


Nazca, am 06.11.2009
3. ANDENÜBERQUERUNG


Zwischen Cusco und Nazca lagen für uns sechs Tagesetappen, die unsere dritte Andenüberquerung und dieses Mal die schwierigste von allen, umfasste.
Man darf sich eine Andenüberquerung nicht in dem Sinne vorstellen, als dass man einen hohen Pass zu erklimmen hat, um schließlich triumphierend gemütlich auf der anderen Seite hinunterzurollen. Nein! Das wäre zu einfach. Viel mehr sind es viele Pässe hintereinander. Das Höhenprofil der vergangenen Wochen gleicht einer fröhlichen Zickzacklinie mit großen Strichen. Wir pendelten immer wieder zwischen 2.000 und 4.600 Metern hin und her, was uns durchgehende Anstiege und Abfahrten von durchschnittlich 30 bis 50 Kilometern bescherte.
Der längste Anstieg war sage und schreibe, man kann es kaum glauben, es sei denn man spürt es gewaltig in den Beinen, 230 (!) Kilometer lang – zuerst stetig steigend, dann immer steiler werdend und schließlich in einer alles fordernden Serpentinenstraße endend, die direkt in den Himmel führte.
Und es war der Himmel. Die Umgebung war gigantisch, so groß und mächtig. Kondore kreisten über mir, als ich das 4.600 Meter hohe Plateau erreichte. Unzählige Lamaherden grasten in der Hochebene.

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Peruanische Anden

In der einen Stunde stülpte sich noch ein kristallblauer Himmel über mich und in nächsten Stunde schon zogen binnen Minuten dunkle Wolken auf und ich fand mich inmitten eines Schneegestöbers wieder.
Unser höchstes Camp lag auf 4.400 Metern und die anderen Camps nahe dieser Marke, was uns eiskalte Nächte und Morgen bescherte. Das Überzelt war mit einer dicken Schicht Eiskristallen überzogen, wenn ich morgens zögernd meinen Kopf hinausstreckte, um die klirrend kalte Luft einzuatmen, die sich über unsere Bergcamps legte. Morgens aus dem Schlafsack zu kriechen war die größte aller Überwindungen.

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Blick aus dem Zelt

Es war eine extreme Woche und an dieser Stelle möchte ich zutiefst dankbar meine Ausstatter erwähnen, dank deren hochqualitativen Produkten diese Tour erträglicher wird. Die Firma NORTHLAND hat mir eine tolle Campingausrüstung zur Verfügung gestellt, die den Minusgraden tapfer standhält. JEANTEX hat mich mit Bekleidung ausgestattet, die mich während den Stunden am Bike trocken und warm hält. Und ROTWILD hat mir ein Carbon Fullsupension Mountainbike gesponsert, das die härtesten Tests hier (Salz, Sand, Höhenunterschiede,...) bereits mit Bravur bestanden hat.

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Die 3. Andenüberquerung ist geschafft

Wer über Tage gegen den Himmel strebt, der kommt schließlich auch an einen Punkt an dem es wieder hinuntergeht. Unsere letzte Etappe vor unserem Ruhetag in Nazca war ein 100 Kilometer langer Downhill von 4.200 auf 590 Meter Seehöhe  – eine Belohnung, die wir uns alle schwer verdient hatten! Ingesamt haben wir uns 26 Tage in der Höhe (über 3.500 Meter mit Ausnahme kurzer Abstecher auf 2.000 Meter in der letzten Woche) aufgehalten. Bin schon gespannt, wie sich das „Höhentrainingslager“ auswirken wird.

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Über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos!










TAGEBUCHEINTRAGUNG 16


Cusco, am 31.10.2009
PERU - GRINGOS AUF INKATRAILS


Nur eine Tagesetappe von La Paz entfernt wartete schon der Titicacasee auf uns. Es handelt sich dabei um den größten Hochgebirgssee der Erde und um den größten See Südamerikas – was etwas seltsam ist, denn die Umgebung verleiht fast den Eindruck auf einer Küstenstraße am Meer entlang zu fahren. Doch schon der nächste atemraubende Anstieg, der einem auf über 4000 Meter über das Meeresspiegelniveau führt, begleitet von herrlichen Aussichten, erinnert einen daran, dass man sich in der Höhe befindet und es keinesfalls das Meer sein kann. Der Titicacasee hat außerdem eine ganz besondere Farbe - ein Blau, dass eine eigene Farbtonbezeichnung benötigen würde, um es beschreiben zu können. An der Ostseite des See umrunden ihn schneebedeckte Berge.

[Keine Beschreibung eingegeben]Copacabana am Titicacasee

Wir benötigten insgesamt vier Tagesetappen um an der Südseite des Sees entlang zu radeln.
Am Titicacasee haben gleich zwei Länder Anteil: Bolivien und Peru. Die Fahrt entlang des Sees brachte uns also schließlich auch in das sechste Land der Tour: Peru.
Vom See abgewandt nahmen wir Kurs auf Cusco im Zentrum des peruanischen Andenhochlandes. Die Route dorthin war hügelig und herausfordernd, jedoch von einer landschaftlichen Schönheit begleitet, die einen die Beschwerlichkeit der Etappen schnell vergessen ließ.

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Gringo trifft Inka

Cusco war für uns in vielerlei Hinsicht bedeutend und eine große Vorfreude erregend. Cusco ist eine charmante Stadt: Kopfsteinplasterstraßen, uralte Kirchen und historisch bedeutende Gebäude, Museen, Märkte,... Aber vor allem, und das war für jeden einzelnen von uns zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Tour das Allerwichtigste: Wir hatten hier drei, ganze drei Ruhetage. Bald zeigte sich allerdings, dass diese Ruhetag alles andere als Ruhe zu bieten hatte. Cuscos Straßen sind steil und die Gehwege überdimensionale Stufen. Unsere Jugendherberge war auf einem der den Hauptplatz umgebenden Hügel errichtet worden. Es war jedes Mal beschwerlich die dort hinführen Stufen hochzuklettern. (Wir sind noch immer über 3500 Seehöhe!)

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Cusco - historisch bedeutende Stadt

Weiters war Cusco für uns der Ausgangspunkt, um Machu Piccho zu besuchen. Duncan und ich starteten um 3 Uhr morgens. Wir mussten mit dem Zug durch das Urubambatal nach Aquas Caliente fahren, um von dort aus einen weiteren Bus zur  fast 500 Jahre alten Ruinenstadt zu nehmen.
Der frühe Start hatte sich gelohnt. Wir wollten nämlich vor dem großen Touristensturm dort sein. Täglich zieht Machu Piccho 2000 Besucher an. Um die Mittagszeit wimmelt es nur so und die ausgestorbene Stadt ist alles andere als ausgestorben.
Schon der erste Blick auf Machu Piccho beeindruckte mich tief. Allein der Anblick hat etwas Magisches, so wie sich die schillernde Stadt dort erstreckt, auf diesem Berg, der von noch viel höheren Bergen umrundet ist. Die Umgebung ist dschungelartig – dicht bewachsen und tief grün. Nicht umsonst wurde Machu Piccho zu einem der neuen sieben Weltwunder gewählt.

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Machu Piccho

Wir verbrachten den ganzen Tag in der Ruinenstadt und deren Umgebung. Wir wanderten einige der originalen Inkasteige und wann immer der dichte Wald Ausblick auf Machu Piccho gab, mussten wir stehen bleiben und lange bei diesem Anblick verweilen.

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HOLA! (Lamas)










TAGEBUCHEINTRAGUNG 15


La Paz, am 20.10.2009
DEATH HIGHWAY


Nachdem wir die großen Salzseen hinter uns gelassen hatten, führten uns noch einige Etappen durch die Altiplano – eine Hochebene, die durchschnittlich auf 3.600 über dem Meeresspiegel liegt – in ebenso hoch gelegene Stadt La Paz. La Paz liegt in einem Kessel und bietet von oben einen faszinierenden Anblick. Kommt man erst einmal in die Stadt, so ist man von Verkehrschaos, riesigen Straßenmärkten und pulsierendem Stadtleben umgeben. Man könnte Wochen in dieser Stadt verbringen, ohne gelangweilt zu sein.

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Flug durch die Altiplano

Wir hatten in La Paz zwei Ruhetage. Einen davon widmeten wir (sechs Personen unserer Gruppe) dem Death Highway. Es handelt sich dabei um die Vungas – Straße, die lange Zeit als die gefährlichste Straße der Welt galt. Jedes Jahr starben auf dieser einspurigen Verbindung zwischen der Metropole La Paz und Coroico Hunderte Menschen bei Bus- und Autounfällen. Heute gibt es eine alternative geteerte Verbindung. Und so ist die alte Straße uns Mountainbiker überlassen geblieben...

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Death Highway

Unser Abenteuer startete um sieben Uhr Morgens. Wir wurden in einem Minivan zum höchsten Punkt auf 4.700 Metern geshuttelt, um anschließend auf geliehenen Fullsupension-Bikes 70 Kilometer in die Tiefen zu rasen. Wir starten im Hochalpinen Gelände und endeten in Mitten des bolivianischen Dschungels auf nur 1000 Meter Höhe. Mit jedem Meter den wir an Höhe verloren, wurde die Luft wieder reicher an Sauerstoff. Es war so angenehm, wieder einmal richtig tief durchatmen zu können. Der Death Highway selbst ist mehr oder weniger einen Schotterstraße. Was dieser aber einen besonderen Kick verleiht ist die Tatsache, dass auf der linken Seite die Klippen hunderte Meter in die Tiefe führen – kerzengerade und ohne Leitplanke. Es war ein Adrenalinkick unterstrichen durch einen landschaftlichen Höhepunkt!
Von hier aus nehmen wir Kurs auf den Titicacasee und Peru.

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Let's Ride...









TAGEBUCHEINTRAGUNG 14


Oruro, am 15.10.2009
BOLIVIEN – WILD, WILD WEST und SALTFLATS


Von San Pedro aus ließen wir die Atacamawüste hinter uns und nahmen unsere zweite Andenüberquerung in Angriff, die uns in das fünfte Land dieser Tour führte – Bolivien.

Der höchste Punkt unserer Route, den wir am zweiten Tag nach San Pedro erreichten, lag auf 3.966 Meter Höhe. Seither sind wir nicht mehr auf unter 3.500 Meter gekommen, also in der Höhe geblieben – ein Umstand, der die ein oder andere Schwierigkeit mit sich bringt. Kopfschmerzen, kurzer Atem, erhöhte Pulsfrequenz und halbe Geschwindigkeit am Bike sind die Hauptsymptome. Mit dem heutigen Tag sind wir seit einer Woche auf dieser Höhe und ich kann sagen, dass sich mein Körper langsam daran gewöhnt.

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Starker Gegenwind auf knapp 4.000 Meter Höhe

Das Highlight der vergangenen Woche und wahrscheinlich auch dieser Tour waren Boliviens „Saltflats“. Wir haben insgesamt vier davon durchquert, darunter auch die Größte – die Salar de Uyuni, die in ihrer Größe knapp die Schweiz übertrifft.
Es ist ein unglaubliches Gefühl auf Salz zu fahren. Es wirkt so, als würde man auf einem gigantischen gefrorenem See radeln, was mir zuerst das Gefühl gab, als würden meine Räder jeden Moment auf einem glatten Untergrund wegrutschen. Doch Salz ist so griffig und so fest wie Asphalt und verträgt selbst eine Vollbremsung. Hinzu kommt dieses einzigartige Geräusch, das die Räder auf den Salzkristallen verursachen. Es klingt als würden Tausende Glöckchen klingen.

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Durch die Wüste aus Salz

Weiters strahlen die „Saltflats“ im reinsten Weiß, das ich je gesehen haben, was den Nachteil mit sich bringt, dass der Untergrund die Sonnenstrahlen reflektiert und man deswegen regelmäßig Sunblocker auftragen muss, wenn man seine Haut nicht durch die Sonne auf dieser Höhe verbrennen lassen will.

Die Wüste aus Salz erstreckt sich bis in die Ewigkeit. Man tritt in die Pedale, kommt zwar mit guter Geschwindigkeit voran doch hat trotzdem das Gefühl, dass man sich keinen Meter weiterbewegt. All das versetzt einem in eine richtige Ekstase, die einem die Zeit vergessen lässt und die die Tatsache zu verdrängen weis, dass man sich acht bis zehn Stunden pro Tag als kleiner Punkt durch die „Saltflats“ bewegt.
Bezüglich Navigation war ich vorab etwas besorgt, doch es war ganz simpel. Wir mussten uns einfach an markanten Punkten in der Landschaft orientieren. Das waren zumeist Vulkane, die sich am Ende einer Salzfläche empor streckten. Wir bewegten uns also den ganzen Tag lang auf einen Berg zu, der nicht und nicht näher kommen wollte...

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Salar de Uyuni

Doch neben seinen einzigartigen „Saltflats“ hat Bolivien noch jede Menge andere Herausforderungen zu bieten. Bolivien ist für mich „das Äthiopien von Südamerika“. Es steckt in der Vergangenheit fest. Asphaltierte Straßen sind im Großteil des Landes ein Fremdwort, was das Radfahren zu einer echten Herausforderung macht.

Die Menschen leben unter den einfachsten Bedingungen. Häuser sind aus Lehm oder Salzziegeln gebaut. Immer wieder macht man Bekanntschaft mit großen Lamaherden. Infrastruktur und all die Bequemlichkeiten der modernen Welt fehlen in den ländlichen Gebieten zur Gänze. Es ist ein Land, das es wert ist zu bereisen. Bolivien ist für mich bis jetzt das beste Land dieser Tour!    

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Typisches Haus in Bolivien


 

 

 

 

 

TAGEBUCHEINTRAGUNG 13

San Pedro de Atacama, am 07.10.2009
HALBZEIT – Nochmal so viel oder noch mehr?


In der letzten Tourwoche haben wir unsere 55. Etappe und damit genau die erste Hälfte der Vuelta Sudamericana absolviert. Anlässlich dieses Ereignisses gab es eine lange Ansprache von unserem Tourdirektor Randy Pielsticker. Er versuchte uns den zweiten Teil der Tour in all  seinen Einzelheiten zu beschreiben, so dass wir uns ein Bild davon machen konnten, was noch vor uns lag, was uns in Bolivien, Peru und schließlich Equador erwarten würde.


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Kurze Pause

Er stelle seine Worte unter das Motto „REALITY CHECK“! Zusammengefasst erklärte er uns, dass die ersten zwei Monate nur eine Vorbereitung gewesen sein sollten, die in uns hoffentlich die nötige körperliche und geistige Fitness für die zweiten Teil gedeihen ließen.
 
Wenn wir dachten bis jetzt sei es anstrengend gewesen, so würde das Wort Anstrengung bald eine neue Bedeutung für uns bekommen. Wenn wir dachten, dieser Kontinent hätte unsere Fähigkeiten, unser Durchhaltevermögen und unseren Willen zu Bestehen bereits auf die Probe gestellt, so wäre das  nur der Anfang gewesen. Berge werden höher werden und Temperaturen extremer. Länder werden ärmer werden und Infrastruktur und Zivilisation werden sich oft viele Tage lang von uns verabschieden.

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Desert Camp

Die Erfüllung Randys Prophezeiungen ließen nicht lange auf sich warten. Entlang der Pazifikküste radelten wir durch den Pan Azucar Nationalpark. Das „Problem“ mit dieser großteils unasphaltierten Nebenstraße war nur, dass sie sich immer wieder mal entschied, kurz ins bergige Landesinnere abzubiegen und innerhalb einer kurzen Distanz radikal auf bis zu 2500 Meter über den Meeresspiegel anzusteigen. Hiezu kam der erbarmungslose Wind, der teilweise so stark war, dass ich nur noch mein Rad schiebend gegen ihn ankommen konnte.

In Antofogasta haben wir den Pazifik schließlich für einige Zeit hinter uns gelassen und begonnen uns auf einer trockenen Hochebene Richtung Bolivien fortzubewegen.

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... zur Abwechslung mal am Hinterrad!

Die Atacama Wüste wird hier ihrem Ruf in vollem Ausmaß gerecht. Sie ist die trockenste Wüste der Welt, ironischer Weise unmittelbar neben der größten Wasseransammlung der Welt – dem Pazifik. Doch ich mag diese Wüste. Sie ist keine „leere“ Wüste, sondern bietet seltsame Felsformationen, dazwischen meterhohe Sanddünen und selbst aktive Vulkankegel, die sich über 6000 Meter hoch vom Wüstenboden gegen den Himmel strecken.

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San Pedro de Atacama

Unseren Ruhetag verbringen wir nun hier in San Pedro de Atacama – ein kleiner Ort, der keine einzige asphaltierte Straße kennt, aber jede Menge zu bieten hat. Dutzende Tourgesellschaften bieten die verrücktesten Wüstenaktivitäten an – vom Sandsnowboarding über auf Pferden durch die Wüste galoppieren bis hin zum Vulkan-Downhill-Mountainbiken. Leider bleibt uns nicht die Zeit um alles auszuprobieren...






TAGEBUCHEINTRAGUNG 12


Caldera, am 28.09.2009
PANAMERICANA und HORRORSTREIFEN...


„Der Wind rüttelt heftig an meinem Zelt – doch nicht stark genug, um durch das von ihm verursachte Rascheln der Zeltplane, die anderen Geräusche der Umgebung zu übertönen. Ein Coyote ruft seine schrillen Schrei in die Dunkelheit der Nacht hinaus. Als wäre ich nicht schon geängstigt genug...

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Bergstraße in Chile

Wir campen in dieser Nacht in dem kleinen Silbergräberstädtchen  El Higuero in den Bergen – oder besser gesagt was noch davon übrig ist. Alles was in dieser Geisterstadt noch an die frühere Zeit erinnert sind die Steinruinen, die alten Geräte und Werkzeuge und verrostete Gebrauchsgegenstände. Was hier aber noch zurückgeblieben ist – und hier die wirklich gespenstische Tatsache – ist der zentral gelegene Friedhof. Die Grabsteine tragen Jahreszahlen um die 19. Jahrhundertwende. Die meisten Gräber sind aufgebrochen und überall sind Menschenknochen und Totenköpfe zu finden. Eine seltsam Atmosphäre umgibt mich. Ich fühle mich, als wäre ich nicht allein...“

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Crazy Switchbacks

Meine Sinne und auch mein Körper können dem schnellen Wechsel von Landschaften und Temperaturen nur schwer folgen. Kaum hatten wir den Schnee und die Kälte der Anden hinter uns gelassen, empfing uns der Frühling. Die felsigen Berge ersetzten nun saftig grüne Hügel, mit unzähligen bizarren Kakteen geschmückt. Den weißen Schnee erneuerten nun weiße Sandstrände. Den stahlblauen Himmel am Horizont löste der pazifische Ozean ab, der nur eine Tagesetappen von Santiago aus entfernt lag.

Für die ersten fünf Tage dieser neuen Sektion bewegten wir uns auf der asphaltierten, stark befahren, weltberühmten Panamericana Richtung Norden. Mit jedem Tag schwand die Vegetation wieder. Schließlich bewegten wir uns zielgerade auf die Atacama Wüste – die trockenste Wüste der Welt - zu. Grashalme wurden bald zur Sandkörnern.

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Desert Ride

Nach diesen gemütlichen Tagen auf der Straße ging es Gott sei Dank wieder so richtig ins Gelände. Tolle, anstrengende Etappen führten uns durch Canyons und über Bergketten. Über Tage hatten wir niemanden außer unserer Gruppenmitglieder zu Gesicht bekommen. Ein verwirrendes Streckennetz aus Tracks und Trails hat den ein oder anderen Fahrer (natürlich auch mich) verwirrt und so manchen Extrakilometer aufgehalst. Es überrascht mich immer wieder wie ruhig ich doch bleiben kann, wenn ich mich in der Pampa alleine verfahre und mir langsam die Verpflegung ausgeht. Ich denke es ist der feste Glaube daran, dass ich am Schluss doch irgendwie das Camp und den Rest der Gruppen finden werde...

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Auch in der Wüste muss Hygiene sein!

Nun erholen wir uns im malerischen Caldera – ein kleines Fischerstädtchen am Pazifik – bevor wir tiefer in die Atacama Wüste vordringen werden.





TAGEBUCHEINTRAGUNG 11

Santiogo de Chile, am 18.09.2009

ANDENCROSS und ZONDAWIND...
 
...klingt eigentlich nach einer furchtbaren Kombination. Doch wenn man erst einmal weiß, dass ein Zondawind ein Föhnwind ist, so konnten wir es gar nicht besser erwischen. Dieser Wind hat unsere erste Andenüberquerung aufgrund seiner nicht optimalen Richtung zwar verlangsamt, jedoch – was die Temperaturen betrifft – um einiges erträglicher gemacht.

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Unser Begleitfahrzeug BERNIE

Von San Juan aus begann die Kletterei - zuerst auf 2.200, dann auf 2.700 und schließlich über den höchsten Punkt mit 3.200 Metern über dem Meerspiegel nach Chile.

Es fällt mir schwer Worte zu finden, die die Einzigartigkeit dieser ersten Wochen in den Anden beschreiben könnten. Teilweise erinnern sie an die Alpen – nur noch viel größer, weitläufiger und unermesslicher. Die Anden sind die längste Gebirgskette der Erde!

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Fahrt durch die ANDEN, der längsten Gebirgskette der Welt

Eigentlich sollte man meinen, dass man sich in so einer Umgebung winzig klein und bedeutungslos vorkommt. Doch ich empfand das Gegenteil.
Wenn ich alleine unterwegs war, hatte ich oft das Gefühl der einzige Mensch dort draußen zu sein. Ich fühlte mich groß, nahezu unsterblich durch die tiefe Verbundenheit mit der Beständigkeit der Natur – verbunden mit dem Wind, der Luft, dem tiefblauen Himmel, verbunden durch meine Reifen, die Meter für Meter diesen Kontinent abtasten.

Am Tag vor der Grenzüberquerung nach Chile radelten wir durch ein paar Schigebiete. Dort wo uns die Anden auf der anderen Seite wieder ausgespuckt hatten, trafen wir wieder auf Menschen – schifahrenden Menschen – ein unwirkliches Bild. Gerne hätte ich mein Bike für ein paar Stunden gegen ein Snowboard eingetauscht. Die Pisten sahen einfach traumhaft aus.

Außerdem hatten wir auch das Glück, den höchsten Gipfel der Anden zu sehen. Wir fuhren am 6.962 Meter hohen ACONCAGUA vorbei. Er wirkte zum Greifen nahe – so nahe, dass ich mein Bike gerne einfach liegen gelassen hätte, um ihm entgegenzulaufen, ihn zu erklimmen und laut in die Welt hinauszurufen, die wunderschön sie doch ist.

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Voll Übermut möchte ich die Schönheit dieser Welt hinausschreien!

Doch eine Besteigung dauert mehrere Tage. Und so genoss ich einfach den Anblick, ließ ihn schließlich hinter mir und beendet meine Fahrt nach Santiago – die belebte Hauptstadt unseres vierten Landes dieser Tour – CHILE.





TAGEBUCHEINTRAGUNG 10

San Juan, am 10.09.2009
UP AND OVER THE CENTRAL SIERRA



“Der Wind pfeift mir um die Ohren. Er ist so laut, dass ich mein eigenes Wort nicht verstehen kann. In regelmäßigen Abständen weht er mich buchstäblich von meinem Mountainbike. Ich muss weiter. Ich muss mich bewegen. Nur nicht stehen bleiben. Die Kälte kriecht in jede Pore meines Körpers und nimmt ihn völlig ein. Ich versuche mich langsam und stetig vorwärts zu bewegen durch die Wüste aus Fels und Gestein auf einer Höhe von (nur)  2200 Meter über dem Meeresspiegel.“

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Fahrt über die Central Sierra Mountainrange

In den letzten fünf Tagen haben wir die Central Sierra Mountainrange überquert – eine erste Einstimmung auf die Anden, die dahinter geduldig auf uns warten. Vergleichsweise sollte der Pass eine Spazierfahrt sein. War es aber nicht! – Eine Tatsache, die ein leises, aber deutlich hörbares Zweifeln in mir flüstern lässt.
Morgens war der Himmel klar, stahlblau, als hätte Kälte eine Farbe, die sich dominant über die Landschaft legte, sie einhüllte in das silberne Kleid der Minusgrade.

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Rock'n'Roll

Die Landschaft durch die wir uns bewegten, war atemberaubend, kaum mit etwas zu vergleichen, das ich bis jetzt gesehen habe. So bizarr, dass ich mich wunderte, ob ich mich noch auf dem Planeten Erde befand. Es war eine großartige Fahrt, doch vor allem auch schwierig und herausfordernd.

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Sherpa Sandra
 
Nachts in den Mountaincamps und tagsüber hatte ich im Kampf gegen die Kälte bereits alle Register gezogen. Ich hatte mir bereits all meine warme Schichten übergezogen. Ständig drängte sich mir die Frage auf: „Wie werde ich bloß die Anden meistern – auf doppelter Höhe und noch unwirtlicheren Temperaturen?“
Als uns die Sierra auf der anderen Seite wieder ausgespuckt hatte, bewegten wir uns durch eine wüstenähnliche Landschaft. Ein Buschcamp um das andere stand im Wettstreit um den Titel „das Schönste von allen“. Auf der letzten Etappe nach San Juan tauchte in der Ferne eine schneebedeckte Bergkette auf. Sie erhob sich genau in der Richtung, die wir nach unserem Ruhetag hier in San Juan einschlagen werden. Wettervorhersage für die nächste Woche: Schneefall!






TAGEBUCHEINTRAGUNG 9

Cordoba de la Nueva Andalucia, am 05.09.2009
ARGENTINIEN II


Buenos Aires präsentierte sich als eine belebte Stadt, die eigentlich nach mehr als zwei Tagen dort verlangte.

Meine schönste Begegnung in dieser Stadt war der Besuch der Tante meiner Tante – Schwester Bernadette, die in den 60er Jahren mit einem Schiff den großen Ozean überquerte, Österreich für immer hinter sich ließ und ein Leben in Argentinien begann. Es war spannend ihre Geschichte zu hören.
 

Von Buenos Aires aus absolvierten wir sieben Etappen auf Straße und im Gelände – flach, nass und viel Wind. Die Temperaturen sind wieder gefallen und machten die langen Nächte im Zelt ziemlich ungemütlich. Es ist jedes Mal eine Überwindung sich morgens aus dem Schlafsack zu zwingen und ein eine weitere Etappen zu starten.
 
 
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Weinland Argentinien
 
Nun sind wir in Cordoba – der zweitgrößten Stadt dieses Landes. Von hier aus geht es morgen in die Berge – Central Sierra – und damit weg vom Verkehr. Es wird die erste Einstimmung auf die Anden werden, die nun nicht mehr weit entfernt liegen.  
 
 
 
 

TAGEBUCHEINTRAGUNG 8

Colonia del Sacramento, am 25.08.2009
URUGUAY

 
“Was will ein 47jähriger Mann aus Uruguay in einem großen gelben Truck mit knapp 50 Taschen? Schmuggelt er etwa schmutzige Zelte, stinkende Schuhe und verschwitztes Radfahrergewand von Argentinien nach Uruguay?“
 
Diese durchaus berechtigte Frage mussten sich die Grenzbeamten am Grenzübergang zu Uruguay gestellt haben, als Alfonso unser Truckdriver dort anrollte. Nun, falls er die Wahrheit sagte und tatsächlich das Gepäck von 22 verrückten Radreisenden beförderte, so mussten diese Radfahrer ja auch irgendwo sein. Ja, irgendwo auf der Straße, 2-4 Stunden hinter dem Truck. Alfonso musste auf uns warten, damit jeder einzelne mit samt Gepäck nach Uruguay einreisen durfte. So war es dann auch. Doch noch nicht genug. Es war auch nicht gestattet die Grenze auf Fahrrädern zu überqueren. Wer kam denn auf diese absurde Idee? Also musste wir unsere Bikes und uns selbst in den Truck quetschen, um regelkonform in das neue Land einreisen zu können.
 
Die Komplikationen an der Grenze hatte sich allerdings gelohnt. Uruguay ist ein tolles Land. Auf den Straßen gibt es kaum Verkehr. Die saftig grünen, weiten Grasflure mit unzähligen grasenden Rinderherden verleihen dem hügligen Land seinen besonderen Charakter.
 
Und auch das Wetter stimmt. Das vom Regen gewaschene Sonnenlicht fällt auf die Straße. Wie ein Glücksstrahl fällt es. Ein Licht, das in reinste Wonne taucht – violett, sanft, wasserglänzend. Nichts als die verheißende Farbe und das Wissen, dass alles stimmt für den Augenblick.

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Wir haben hier drei charmante Städte angesteuert. Von Salto mit seinen wohltuenden heißen Quellen ging es nach Paysandú und schließlich in die älteste Stadt des Landes: Colonia del Sacramento.

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Colonia del Sacramento bei Tag...

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... und in der Nacht.

Heute feiert Uruguay seinen Unabhängigkeitstag – eigentlich ein vier Tages Fest – alles geschlossen - die Menschen sind zum Feiern auf den Straßen, die meisten hoch zu Pferd.
Wir haben am Rio Uruguay, am Rio Negro und am Rio de la Plata campiert – ein Platz schöner als der andere.
 
Gestern sind wir leider erstmals bestohlen worden. Das Zelt unseres Kochs Miles wurde mit einem Messer aufgeschlitzt und all seine Taschen gestohlen (inklusive Pässe – das wohl unangenehmste Problem). Er selbst war zu dieser Zeit in der Stadt unterwegs. Dieser Zwischenfall erinnert uns daran, vorsichtiger zu sein.

Heute wurde ein Einzelzeitfahren über einen zwanzig Kilometer Abschnitt gefahren. Ich konnte Natascha (SA) und Lorry (CAN) hinter mir lassen. Es war ein riesiger Spaß und es tat gut wieder mal so richtig Gas zu geben als Abwechslung zu den langen monotonen Etappen.

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Morgen geht es mit der Fähre nach Buenos Aires und somit zur zweiten Einreise nach Argentinien. Mal sehen welche Überraschungen dabei auf uns warten werden...





TAGEBUCHEINTRAGUNG 7

Mercedes, am 19.08.2009
ARGENTINIEN!


Eine Mutter stillt ihr Baby am Straßenrand – unter einem Schatten spendenden Nadelbaum. Ein alter Mann verkauft Orangen – nicht sonderlich erfolgreich. Drei Mädchen sind am Heimweg von der Schule – stolz gekleidet in ihre Schuluniformen. Alle paar Kilometer findet man am Straßenrand ärmliche Holzkreuze bis hin zu reich geschmückten Altars – in Gedenken an die Unfallopfer des rasanten argentinischen Verkehrs.

Eine kleine gebückte Frau kehrt den staubigen Boden vor dem mit einem Stück Plastik geschützten „Hauseinganges“ ihrer Holzbaracke. Ein kleiner Junge versteckt sich schüchtern hinter einem Baum, als er mich kommen sieht – nur seine weißen, neugierigen Augen leuchten hervor. Ein Argentinier liefert sich ein kurzes Rennen mit mir auf seinem alten, klapprigen Fahrrad – bald gibt er keuchend auf, winkt mir aber noch lächelnd hinterher. Menschen warten geduldig an Bushaltestellen und schenken mir Zurufe und freundliche Grüße. Und sie winken aus vorbeifahrenden Autos – unterstützend, motivierend, willkommen heißend,...
-    Bilder, die schnell an mir vorüberziehen, jedoch lange im Herzen verankert bleiben.

Die Einreise nach Argentinien vor fünf Tagen verlief problemlos. Die ersten drei Tage waren wir auf der Straße unterwegs. Die Sonne erleuchtete uns den Eingang in das neue Land mit einer Maximaltemperatur von 41 Grad Celsius – man bedenke, hier ist Winter!

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Dieses Verkehrsschild kündigt einen unmittelbar folgenden steilen Anstieg an...

Am vierten Tag änderte sich jedoch einiges. Zum einen das Wetter – Regen, Hagel, Kälte. Zum anderen das Terrain. Unsere Route führte uns auf unbefestigte Nebenstraßen. Der Boden war eine Mischung aus Sand und Schlamm. Binnen weniger Kilometer verklebte der Dreck die Reifen, so dass sie sich einfach nicht mehr drehen wollten – fahren unmöglich. Plan B: Bike schieben. Auch dieser Versuch scheiterte kläglich. Die Reifen wollten sich keinen Millimeter mehr bewegen. Plan C: Bike tragen funktionierte schließlich. Allerdings wog es mit dem ganzen anhaftenden Dreck bestimmt das doppelte. Sobald ich eine größere Lacke fand, versuchte ich das Bike soweit vom „Clay“ zu befreien, damit es wieder für ein paar hundert Meter fahrtauglich war. Das Spiel setzte sich fort – ein elendiger Tag., Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so dreckig gewesen.

Die Bedingungen und das Wetter waren so schwierig – eigentlich unhandhabbar, dass die Tourorganisation entschied, uns über die nächsten beiden Etappen mit dem Truck auf einem 600 Kilometer langem Umweg zu shutteln. Nun sitzen wir im Regen in diesem kleinen Ort Mercedes fest.




TAGEBUCHEINTRAGUNG 6

Foz de Iguazu, am 13.08.2009


Tosender Lärm, feiner Sprühnebel, schillernde Regenbögen: Die Wasserfälle von Iguazu sind gigantisch. Auf einer Breite von gut 2700 Metern stürzt das Wasser inmitten einer einzigartigen Urwaldszenerie unter tosendem Lärm bis zu 80 Meter in die Tiefe. Die Cataratas bestehen je nach Jahreszeit und Durchflussmenge aus 150 bis 300 einzelnen Wasserfällen.

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Mich inmitten dieses Naturspektakels wiederzufinden, war die Belohnung für die ersten Anstrengungen dieser Tour.

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Das erste Land – Brasilien - ist durchquert auch wenn wir nur einen kleinen Bruchteil davon zu sehen bekamen. 1800 Kilometer sind heruntergespult.

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Ich fühle mich fit. Langsam gewöhne ich mich wieder an die langen Tage am Mountainbike.

Wir haben in Foz de Iguazu zwei Ruhetage genossen. Morgen werden wir die Grenze überqueren und in Argentinien einreisen.







TAGEBUCHEINTRAGUNG 5

Dois Vizinhos, am 09.08.2009

13 ETAPPEN

Die Tourroutine stellt sich langsam wieder ein. Zwei Wochen sind nun schon vergangen, seit wir Rio verlassen haben.


Blick auf den Atlantik



Opfer des Verkehrs

Mit der achten Etappen drehten wir vom atlantischen Ozean ab und bewegten uns auf unterschiedlichsten Terrain ins Landsinnere.


Schlammschlacht!

Die Sonne lässt sich endlich blicken und schenkt uns schöne Etappen am Bike, die hauptsächlich durch Agrarlandschaft führen.

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Endlich wieder Sonnenschein!

Wir beginnen in Gegenden vorzudringen, in die sich eher selten ein Tourist verliert. Diese Bereiche zeigen das wahre Gesicht des Landes...Vieles erinnert mich an Afrika.

Nur noch 2 Etappen und 300 Kilometer warten in Brasilien noch auf uns. Sie werden uns zum ersten Highlight der Tour führen zu den Wasserfällen von Iguazu. Dort werden wir uns an 2 Ruhetagen erholen!






TAGEBUCHEINTRAGUNG 4

Cananei, am 02.08.2009


INSELHOPPING
Bom Dia!
 
Die letzten Etappen haben uns mit 4 brasilianischen Insel bekannt gemacht, die durch kostenlose, kurze Fährenfahrten miteinander verbunden werden können.
Der Regen hier wird immer stärker – er wird nicht zu müde, einmal eine Pause einzulegen. Auch die Temperaturen sinken.
„This is normally not the rainy season”, garantierte uns unser brasilianischer Begleiter Christiano.

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Nach unserer siebenten Etappe hier in Brasilien, reibt bereits Metall auf Metall bei meiner Scheibenbremse. Oft müssen meine Fersen die fehlende Funktion der defekten Bremsen ersetzen. Das vom Schlamm verwüstete Schaltsystem macht komische Geräusche und springt willkürlich von einem Gang zum nächsten.
Die Anstiege durch die kleinen Dörfer entlang unserer Route erreichen oft Steigungen bis zu 24 Grad. Oft trete ich auf dem rutschigen Untergrund der steilen Straßen mit meiner profillosen Straßenbereifung einfach durch.
 
Die Gefährlichkeit der Abfahrten auf diesen Straßen wurde mir bald deutlich demonstriert. In einer fallenden Linkskurve zog es mir einfach das Bike unter den Füßen weg. Ich schlitterte samt Bike unter der Leitplanke durch und verschwand zur Gänze im Gebüsch. Zwei junge Brasilianer auf deren Motorrad haben den Sturz gesehen und mich und mein Bike zurück auf die Straße gezogen. Was für ein Schockmoment! Doch außer Abschürfungen ist glücklicherweise nichts passiert.

Es war eine schwere erste Woche. Vor allem der Regen drückt die gute Laune der Tourteilnehmer. Doch auf einer Expedition dieser Art darf man nicht von der Erwartung getrieben sein, sich ununterbrochen wohlzufühlen.
Vor der siebenten Etappe dieser Tour konnten wir die Offroad - Bereifung aufziehen. Die Route führte uns direkt am Strand des Atlantiks entlang – eine großartige Etappe, die etwas Entschädigung mit sich brachte!

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Ich hoffe in Österreich scheint die Sonne! Schick uns ein paar Sonnenstrahlen PAR FAVOR! 

 

 

 

 

TAGEBUCHEINTRAGUNG 3

Sao Sebastiao, am 29.07.2009

Start in Rio de Janeiro

Von Rio de Janeiro aus starteten wir in Richtung Süd-Westen - entlang des atlantischen Ozeans auf der einen Seite und des brasilianischen Hochlandes, das in dichten Dschungel gekleidet ist, auf der anderen Seite.



Das klingt ja recht idyllisch, ist es aber (zumindest bis jetzt noch) nicht.
Der REGEN-wald trägt seinen Namen nicht umsonst - denn das ist alles wovon ich zur Zeit umgeben fühle: REGEN und WALD.

Fahrt durch REGEN u. WALD

Der Highway 101 schlägt eine breite Schleuse durch den Dschungel, der in das satteste Grün getaucht ist, das meine Augen je vernommen haben.
Überfahrene Spinnen, die auf dieser Straße verwesen, lassen die Einwohner dieser mysteriösen, grünen - nahezu unbetretbar einscheinenden - Welt nur erahnen. Man bedenke von welcher Größe eine Spinne sein muss, wenn man sie bei etwa 25 km/h vom Bike aus leicht erblicken kann.

In den ersten 3 Tagen haben wir bereits (oder besser gesagt erst) eine Distanz von gut 400 km zurückgelegt.
Die Strecke ist hügelig und hält auch immer wieder fordernde Anstiege bereit. Der Verkehr ist recht diszipliniert. Autos machen uns gerne und respektvoll Platz.
Es gibt hunderte streundene Hunde, doch noch kein einziger hat mich verbellt oder gejagt. Sie scheinen zu müde und ausgehungert zu sein.
Die Temperaturen liegen um 25 Grad Celsius, was ja sehr angenehm sein könnte, wäre da nicht diese extrem hohe Luftfeuchtigkeit und das Wetter nicht von Regen und Gewittern geprägt.
Doch es wir schon trockener werden - irgendwann...

 

 

 

TAGEBUCHEINTRAGUNG 2

Rio de Janeiro, am 25.07.2009

RIO DE JANEIRO (Fluss des Januars)– die Stadt der Gegensätze, die Stadt zwischen erbärmlicher Armut und unermesslichem Reichtum, die Stadt zwischen atemberaubenden Geschenken der Natur und Verschmutzung, die Stadt zwischen Samba auf den Straßen und Kriminalität in den Gassen.

Rio de Janeiro - Blick vom 710m hohen Corcovado
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Bevor die Tour morgen losgehen wird, hatte ich noch vier Tage Zeit die exotische Stadt Rio de Janeiro mit seinen 11,5 Millionen Einwohnern auszugsweise zu erkunden. Unser Hotel liegt direkt an der Copacobana – ein 4,5 Kilometer langer, weißer Sandstrand inmitten der Stadt, von wo aus man Rio de Janeiros Wahrzeichen den Zuckerhut (Pão de Açucar) und die Christusstatue am Corcovado, sehen kann.

 Die 35 Meter hohe Christusstatue - ein Wahrzeichen der Stadt Rio de Janeiro


Ein Tag galt der Erkundung der Stadt am Mountainbike. Insgesamt 6 Stunden lang bin ich mehr oder weniger planlos durch die Straßen geradelt und habe das brasilianische Leben auf mich wirken lassen. Dieser Fahrt durfte ein Abstecher zum 710 Meter hohen Corcovado natürlich nicht fehlen. Die Kopfsteinplasterstraße und die Steilheit des Anstieges machten es zu einer ganz schön anstrengenden Fahrt. Doch es hat sich ausgezahlt.

Mein Vertrauen an einen guten Ausgang der Tour wurde durch die Nähe der Christusstatue bestärkt

Demütig stand ich unter der 35 Meter hohen Christusstatue, die schützend ihre Arme über die Stadt ausbreitet, und ich hatte das Gefühl als würde Christus seine Arme auch behütend über mich legen. Es war als hätte ich mir meinen letzten Segen vor der bevorstehenden Tour geholt. Es war ein spiritueller Moment, der mir mein Vertrauen darin stärkte, dass auf der bevorstehenden Tour alles gut gehen würde.

Heute gab es die letzten Meetings. Organisatorisches wurde geklärt. Teilnehmer wurden vorgestellt. Wir sind eine knapp 20 Mann und Frau starke Gruppe, die morgen Richtung Westen zum Serra do Mar (zentralbrasilianisches Hochland) aufbrechen wird – 110 Etappen und 12.500 Kilometer liegen von hier aus vor mir!

 

 

TAGEBUCHEINTRAGUNG 1

Krumbach, am 15.05.2009 – 5. Jahrestag


Genau heute vor fünf Jahren, habe ich die Ziellinie in Kapstadt überquert, meinen ersten Kontinent geschafft – was für ein großer Moment, was für ein unvergessliches Ereignis!

Doch dort hat es für mich noch nicht geendet. Dort hat eigentlich erst alles so richtig begonnen. Nachdem es durch das eindrucksvolle Afrika ging, radelte ich entlang der sagenumwobenen Seidenstraße durch Asien. Und nun ist Kontinent Nummer 3 an der Reihe – SÜDAMERIKA!

Mitte Juli werde ich die Heimat wieder für einige Zeit verlassen. Am 26.07.2009 wird erstmals eine Gruppe passionierter Radfahrer die Vuelta Südamerika in Angriff nehmen. Wir werden in Rio de Janeiro/Brasilien starten, um dann – hoffentlich - 110 Renntage, 12.000 Kilometer und viele, viele Höhenmeter später am 06.12.2009 in Quito/Ecuador  anzukommen.

Südamerika wird uns unzählige Kulturschätze und Naturwunder präsentieren. Die Routenwahl dieser Tour wird uns nicht wie bisher von Norden nach Süden bzw. von Westen nach Osten führen, sondern in einer U-Form den Kontinent durchqueren. Dadurch werden wir die Möglichkeit haben an der atlantischen UND an der pazifischen Küste entlang zu radeln. Dazwischen liegen allerdings auch Wüsten, dichter Dschungel und vor allem die hohen Pässe der Anden, die bezwungen werden wollen. Extreme Temperaturen und Wetterverhältnisse, energieraubende Höhen und jede erdenkliche Art von Weg- und Straßenverhältnissen warten auf uns. An Herausforderungen wird es nicht fehlen, aber ich kann es kaum erwarten!